Gabapentinoide
Gabapentinoide: Zu häufig und manchmal falsch eingesetzt
Pregabalin und Gabapentin gehören zur Gruppe der Gabapentinoide. Ursprünglich für die Behandlung von Epilepsie entwickelt, wurden sie von der Europäischen Arzneimittelbehörde auch für die Therapie bestimmter Nervenschmerzen zugelassen, beispielsweise bei Nervenschmerzen durch eine Diabeteserkrankung oder eine Herpesinfektion. Dennoch zeigen Krankenkassendaten, dass diese Medikamente häufig zum Beispiel bei chronischen Schmerzen eingesetzt werden, obwohl dies nicht ihrem zugelassenen Anwendungsgebiet entspricht.
Lediglich 25 % der Patientinnen und Patienten, die Gabapentinoide erhalten, weisen tatsächlich eine zugelassene Diagnose auf. Zudem besteht eine hohe Abbruchrate. Rund 61 % der Patientinnen und Patienten brechen die Einnahme vorzeitig ab, was auf unzureichende therapeutische Effekte oder Nebenwirkungen hinweist.
Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Datenlage zur Wirksamkeit von Pregabalin und Gabapentin sehr begrenzt ist. Selbst bei etablierten Indikationen wie beim diabetischen Nervenleiden konnte kein eindeutiger Nutzen festgestellt werden. Bei anderen Schmerzsyndromen war die Wirksamkeit entweder gering oder klinisch nicht relevant. Beide Wirkstoffe bergen das Risiko einer Arzneimittelabhängigkeit, die auch bei therapeutischen Dosierungen auftreten kann. Zudem besteht die Möglichkeit schwerwiegender Nebenwirkungen wie Suizidgedanken.
Trotz der begrenzten Wirksamkeit, des kleinen Anwendungsbereichs und der bekannten Nebenwirkungen nehmen die Verschreibungszahlen dieser Medikamente weiter zu.
Die häufige Verschreibung bei unpassenden Diagnosen, in Verbindung mit erheblichen Nebenwirkungen und einem hohen Abhängigkeitspotenzial, führt dazu, dass Patientinnen und Patienten oft unnötig einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt werden.